Was hat unser Bindegewebe mit Schmerzen, innerer Unruhe oder neurologischen Beschwerden zu tun? Der Artikel „Das Wohlfühl-Geflecht" im P.M. Magazin 07/2025 zeigt eindrucksvoll: Faszien – also das feine Netzwerk aus Bindegewebe – sind mehr als nur Hüllen für Muskeln. Sie sind Träger von Spannung, Emotion und Stressreaktion.
Die Faszie als Spiegel unseres inneren Zustands
Als Ergotherapeutin mit Fokus auf Orthopädie und Neurologie sehe ich täglich, wie körperliche Symptome oft nicht isoliert auftreten. Schmerzen, Einschränkungen oder Missempfindungen haben fast immer auch eine „Geschichte": psychisch, funktionell, nerval.
Die Faszie ist dabei ein faszinierender Vermittler. Sie reagiert auf Stress, speichert Spannungen und kann Beweglichkeit blockieren – ohne dass strukturell etwas „kaputt" ist. In der Praxis erkenne ich oft Verbindungen, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind: Schulterprobleme nach langem psychischen Druck, Rückenschmerzen nach einem neurologischen Schub, diffuse Erschöpfung trotz physiologisch unauffälliger Befunde.
Ganzheitliches Denken schafft echte Lösungen
Viele Menschen leiden unter Muskel-Skelett-Erkrankungen, chronischen Schmerzen oder stressbedingten Beschwerden. In der ergotherapeutischen Behandlung suche ich nicht nur nach lokalen Ursachen, sondern frage:
„Wie ist das Gesamtbild? Wo sind Belastungen, Spannungen, vielleicht auch alte Muster gespeichert?"
Die Faszienarbeit – sei es durch gezielte Mobilisation, sensomotorisches Training oder neurozentrierte Impulse – kann dabei helfen, den Körper wieder in Fluss zu bringen. Und manchmal ist genau das der erste Schritt zur Besserung.
